
Die erste Förderphase des gFFZ (2001-2003) hat gezeigt, dass die Basis für Frauen- und Genderforschung an den Fachhochschulen derzeit noch schmal ist. Dies gilt vor allem in den technischen, wirtschaftlichen und informationstechnologischen Disziplinen. Wissen zur Genderrelevanz in den jeweiligen Fächern ist hier i. d. R. wenig entwickelt und verfügbar und im curricularen Kanon nicht integriert. Ebenso gibt es wenig Aufmerksamkeit dafür, wie die Situation für geschlechtsspezifische Minderheiten in der Hochschule – seien es die Studentinnen in den technischen, wirtschaftliche und informationstechnologischen Disziplinen, aber auch die Studenten in den sozial- und gesundheitswissenschaftlichen Disziplinen – aussieht und wie ihr Zugang, Verbleib und erfolgreicher Abschluss zu fördern sind. Fragen der Didaktik spielen eine viel größere Rolle für geschlechtergerechte Studienstrukturen und Studienbedingungen als zunächst vermutet. Das betrifft insbesondere das geschlechterdifferente Aneignungsverhalten wie auch die Rahmenbedingungen und die Organisation von Lernprozessen. (1)
Mit der 3. Folgekonferenz für den Bologna-Prozess wurde von den europäischen Hochschulministerinnen und -ministern die Aufgabe der Förderung der Gleichstellung durch Hochschulbildung im Abschlusskommuniqué bekräftigt und festgeschrieben:
„The need to increase competitiveness must be balanced with the objective of improving the social characteristics of the European Higher Education Area aiming and strengthening social cohesion and reducing social and gender inequalities both at national and at European level.” (2)
Dies fordert explizit dazu auf, Fragen der Geschlechtergerechtigkeit, Gendersensibilität und Genderkompetenz stärker als bisher als Qualifikationselement in Lehre und Studium zu implementieren – und dies in allen Fächern.
Vor diesem Hintergrund hat das gFFZ das Projekt „Förderung von Genderkompetenz in der Lehre“ initiiert. Finanziert wird es aus Projektmitteln des HMWK.
Ziel ist Aspekte der Genderfachlichkeit und Gendergerechtigkeit in die Studiengänge zu integrieren. Folgende Ansatzpunkte zur Förderung lassen sich unterscheiden:
1. Rekrutierung von Studierenden
2. Mentoring von Studierenden
3. Didaktik und Methodik der Lehre
4. Lehrinhalte
5. Studienorganisation
Hierzu werden exemplarische Modellprojekte an verschiedenen Standorten und in verschiedenen Fächern durchgeführt und evaluiert. Ihre Entwicklung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit interessierten KollegInnen „vor Ort“, um eine möglichst hohe Passgenauigkeit für die jeweiligen Modellstandorte zu erzielen. Gegenstand der Qualifizierungsprojekte soll das sein, was von den KooperationspartnerInnen selbst als studiengangsbezogenes Genderproblem und Qualifizierungsbedarf identifiziert wird. Diese „Maßschneiderung“ soll die Akzeptanz für die gebotenen Qualifizierungsimpulse erhöhen.
(2) Vgl. Abschlusscommuniqué der Berliner Konferenz der europäischen BildungsministerInnen im September 2003